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Kastell
Marienfels - Rekonstruktionszeichnung des
Kastellbades
Streckenabschnitt
2 - Marienfels (VG Nastätten)
Rhein-Lahn-Kreis
- EMS
Das Kastell
Marienfels lag etwa 1,3 km hinter dem Limes auf
einem leicht nach Norden zum Mühlbach abfallenden
Gelände unter dem westlichen Ortskern von Marienfels.
Heute ist davon nichts mehr sichtbar.
Hier wurden Spuren
zweier Holzkastelle entdeckt, von denen das ältere
einen rechteckigen Grundriss mit etwa 117 m x 98 m
Seitenlänge besaß. Das Kastell wurde von einem bis
zu 5,60 m breiten und 2,40 m tiefen Spitzgraben
umgeben.
Für das jüngere
Kastell kann ein rechteckiger Grundriss mit einer
Fläche von schätzungsweise 150 m x 190 m angenommen
werden. Der Spitzgraben dieses Kastells war noch
über 5,0 m breit und etwa 2,0 m tief erhalten.
Das kleine Kastell
dürfte noch gegen Ende des 1 Jh. n. Chr. errichtet
worden sein. Die militärische Besetzung des Platzes
hörte, vermutlich in der Mitte des 2. Jh. n. Chr.
auf, die hölzernen Umwehrungen durch steinerne zu
ersetzen, wie es am Limes üblich war, Nahe am Limes
wurde dann Kastell Hunzel erbaut.
Nördlich der
Kastellreste wurde das zugehörige steinerne
Kastellbad, das 1849 entdeckt wurde, ausgegraben.
Den flachen
Schutthügel erkennt man noch in einer
Obstbaumkultur.
Erbaut wurde das
Bad in der Mitte der Regierungszeit Kaiser
Trajans. Weil es erheblich kleiner war
als für Kohorten erbaute Bäder, darf man als
Kastellbesatzung einen
Numerus annehmen,
zumal das Nachfolgekastell Hunzel für eine solche
Truppe bestimmt war.
Das
Kastellbad in Marienfels war eine Anlage
vom so genannten Reihentyp. Sie bestand folglich aus
einer Abfolge von verschiedenen Räumen mit Heiß-,
Kalt- und Warmwasserbecken. Durch eine große
Querhalle gelangte man in den Umkleideraum [apodyterium],
von dem aus der Schwitzraum [sudatorium] und das
Kaltbad [frigidarium] erreicht wurden.
Hintereinander lagen
das angenehm temperierte Laubad [tepidarium] und die
beiden Heißbäder [caldarium]. Beheizt wurde die
Badeanlage durch die typische römische Fußboden- und
Wandheizung [hypocaustum] mit den Heizräumen [praefurnium].
In weitem Bogen um
die Holzkastelle herum erstreckte sich das
ausgedehnte Kastelldorf [vicus].
Schon seit dem 19. Jahrhundert wurden hier
wiederholt die Überreste von Gebäuden beim Bau neuer
Häuser angeschnitten.
Einen Besuch wert ist die idyllisch auf einem Felsen
neben dem Mühlbach Mitte des 12. Jahrhunderts
erbaute Dorfkirche. 23 Bilder schmücken die Brüstung der Empore,
die Christus als Retter der Welt von der Geburt
bis zur Himmelfahrt darstellen. Ein Kleinod ist die "Mutter
Gottes vom Taunus" aus dem um 1150 geschaffenen
Flügelaltar. Maria trägt einen
Steinpilz in der Hand, der als
Symbol der Fruchtbarkeit galt.
Der Schlüssel ist im Pfarramt oder Dekanatsbüro an
der Kirche [Tel. 06772 / 962362] erhältlich. Info:
Ev. Kirchengemeinde, Kirchplatz 1, Marienfels, Tel.
06772 / 94441
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