Wesentliche
Bauwerke des Limes in Germanien waren die ca. 900
Wachttürme [turris/burgus]. Anfangs bestanden sie an den älteren
Limesstrecken aus
Holz und hatten eine auf 4 Pfosten ruhende
Plattform. Nach Rekonstruktionsversuchen besaßen sie
ein Fundament aus einem bruchsteingefüllten hölzernen
Kastenwerk.
Die Türme besaßen
in der Regel drei Stockwerke. Das Erdgeschoß diente
mit zur Aufbewahrung von Waffen und Lebensmitteln. Die
beiden folgenden Stockwerke waren in reiner
Holzbauweise ausgeführt. Im mittleren Geschoß hielt
sich die Wachmannschaft auf, es diente also als
Wohnraum. Das Obergeschoß mit großen Fenstern
war für den Wachtdienst bestimmt. Von hier aus
kontrollierten die Wachen das Gelände diesseits und
besonders jenseits des Limes.
Sehr
wahrscheinlich besaß das Obergeschoß der Türme eine
umlaufende Galerie, allerdings wäre anstelle einer
Galerie auch ein großes Doppelfenster denkbar.
Diese
dreistöckigen Holztürme können nach den Reliefs der
Trajans-Säule in Rom rekonstruiert werden. Eine
Blockbauweise, wie sie hier in Lorch und anderswo
angewandt wurde, ist jedoch nicht belegt.
Falls von einem
solchen Holzturm heute überhaupt noch Spuren
sichtbar sind, kann man im Gelände einen Erdhügel
sehen, den ein Graben umgibt. Dieser Graben kann
einen kreisförmigen oder seltener einen
quadratischen Grundriss besitzen. Dieser
Umfassungsgraben diente offensichtlich nur der
Entwässerung. Ob in manchen Fällen
Palisaden
darin standen, worauf einige Beobachtungen
hinzudeuten schienen, ist mehr als zweifelhaft.
Im Gegensatz zu
den heutigen Holz-Rekonstruktionen, seien es die Wachttürme
bei
Geißelhardt, Lorch
[s.o.],
Burgsalach oder
Hienheim,
besaßen die römischen Wachttürme im Inneren keine
Treppen. Die 4-5-köpfige Wachmannschaft gelangte mit
Hilfe einer einziehbaren Leiter zum Eingang des
Turmes, der sich auf halber Höhe befand.
In den Türmen sollten die Soldaten sich so lange
halten können, bis Verstärkung aus den umliegenden
Kastellen eingetroffen war.
Die Aufgabe
der Türme bestand in der Überwachung der jeweiligen
Abschnitte des Limes und nicht in deren Verteidigung. Die
Türme standen dafür zu weit auseinander und teilweise
zu weit - bis zu 40 m - vom Limes entfernt.
Die Abstände
zwischen den einzelnen Limes-Wachtposten waren so
gewählt, dass die beiden benachbarten Türme stets in
Sichtweite lagen:
zwischen 200 m bei unübersichtlichem und bis zu 1 km
bei offenem Gelände.