Castellum,
castra und
castrum
waren in der Antike die Bezeichnungen für einen befestigten, militärischen Ort.
Praesidium bzw.
castellum lautete der Name der
wichtigsten Bauwerke am Limes, in denen die
Hilfstruppen untergebracht waren. Sie entstanden nach
dem Vorbild der großen Legionslager [castra], wie sie
die Legionen am Rhein errichtet hatten. Diese wiederum
hatten sich aus den Marschlagern der römischen
Legionen entwickelt. Nach ihren Märschen waren es die
römischen Soldaten gewohnt, täglich ein Lager zu
errichten.
Unter Führung
eines Tribunen wurde ein günstiger Platz für das Lager
von einem Vermessungstrupp [metatores,
agrimensores]
ausgesucht. Dabei wurde ein leicht erhöhtes Gelände
bevorzugt, das einen weiten Ausblick bot und das gut
verteidigt werden konnte. Des weiteren musste auf die
Wasser-, Holz- und Grünfutterversorgung geachtet
werden.
Zuerst markierten
Feldmesser [agrimensores]
den Ort des Stabsgebäudes [principia]
mit einer weißen Fahne und bestimmten die
Himmelsrichtung des Ausfalltores [porta
praetoria]. Dann stellten sie vor dem Stabsgebäude in
der Mitte der späteren Lagerhauptstraße [via principalis]
das Visierinstrument [groma] auf.
Die antike
Apparatur war eine recht einfache Konstruktion. An
einer Stange war waagerecht ein Holzkreuz angebracht,
an dessen Enden 4 Lote befestigt waren. Über die Lote
ließen sich rechte Winkel abstecken und Linien
fluchten.
Mit der
Groma
wurden nun die beiden Hauptlagerachsen eingemessen:
der
Cardo maximus (Nord-Südrichtung) und der
Decumanus
maximus (Ost-Westrichtung). Daraufhin wurden diese Achsen
mit verschiedenfarbigen Fahnen ausgesteckt.
Auf den beiden
Hauptlagerachsen, die sich im rechten Winkel vor dem
Kommandanturgebäude kreuzten und später zu den
Hauptlagerstraßen wurden, wurden die vier Lagertore
markiert. Somit war Länge und Breite des Lagers
gegeben.
Parallel zu
Cardo maximus und
Decumanus maximus vermaß der Trupp die
sogenannten Cardines und
Decumani,
welche als weitere Lagerstraßen das Kastell in
längliche [striges]
und breitrechteckige Felder [scamna] aufteilten. Die
Plätze, an denen später die Dienstgebäude erbaut
werden sollten, wurden mit Fahnen markiert und mit
Speeren die Stellen der zu errichtenden Kasernen. Nun
konnten die Soldaten mit dem Bau des Lagers beginnen.