Direkt am Limes
- hauptsächlich am obergermanischen Limes - lagen die Kleinstkastelle, die wohl zusammen mit
dem Ausbau des Limes mit Wall und Graben zu Beginn des
3. Jahrhunderts n. Chr. errichtet worden waren. Sie besaßen
im Gegensatz zu den Kleinkastellen nur ein
Tor, das dem Limes zugewandt war - siehe die
Rekonstruktionszeichnung. Im Inneren
lehnten sich die Unterkunftsgebäude aus Holz hufeisenförmig an
die Außenmauer an. Sie waren in mehrere Räume
aufgeteilt und waren um einen gepflasterten Innenhof
mit einer Feuerstelle angelegt.
Ein solches
Kleinstkastell wurde bei Welzheim ausgegraben und
konserviert [Rötelsee],
und gibt eine sehr schöne Vorstellung vom Aussehen
dieser Anlagen. Möglicherweise standen sie in
regelmäßigen Abständen am Limes. Sie sind bislang nur
am Obergermanischen Limes nachgewiesen.
Die Aufgabe
dieser kleinen Lager mit 10 - 20 Mann Besatzung ist
nicht gesichert. Möglicherweise gehörte zu ihrem
Aufgabenbereich die Überwachung und Sicherung der
Grenze oder sie dienten als Zollstationen.
In der Nähe größerer Kastelle dienten sie gelegentlich
als Unterkünfte für die Wachmannschaften der Türme. Somit wurden die sonst täglich notwendigen An und
Abmärsche zu den Wachtposten verringert. Der
Wachtdienst am Limes wurde nämlich von den Kastellen
aus versehen.
Gelegentlich
wurden Kleinstkastelle auch als
Feldwachen
bezeichnet
oder gar mit Bezeichnungen von Türmen versehen wie das
bei
Ebnisee
[WP 9/117]. Somit nahmen die Kleinstkastelle eine Art
Zwischenstellung zwischen den Limestürmen und den
Limeskastellen ein.
Erbaut wurden
alle Kleinstkastelle nach einem einheitlichen Schema:
Sie waren von einem Spitzgraben bis zu 2 m
Breite umgeben. Dieser Graben war vor dem Tor durch eine
Erdbrücke unterbrochen. Vermutlich gehörten zwei
Gruben im Bereich der Erdbrücke zu deren Verriegelung.
Die Mauern - knapp 1 m breit - wurden innen von einer
Pfostenreihe begleitet. Diese Reihe gehörte zu einem
Wehrgang. Dieser war vorne auf der Mauer aufgelegt und
durch Pfosten nach hinten gestützt.