Historisches Erbe präsentieren: Limes-Stele in
Kleinlellenfeld aufgestellt
KLEINLELLENFELD (mst)
– Bei Kleinlellenfeld wurde in Anwesenheit von
Bürgermeister Karl Haßlmeyer, dem Heimatforscher und
Archäologen Hermann Thoma aus Goldbühl,
Gemeinderäten und Interessierten jetzt eine
Limes-Stele ihrer Bestimmung übergeben. Haßlmeyer
sprach von einem Meilenstein bei den Bemühungen, das
historische Erbe einer breiten Öffentlichkeit zu
präsentieren. Er verwies auf die Bedeutung, sich die
Geschichte dieser Landschaft zu verinnerlichen.
Hermann Thoma – er verbringt seinen Ruhestand in
Goldbühl – war beruflich als Förster tätig und stieß
bei seinen Inspektionen im Wald des Öfteren auf
Tonscherben aus der Frühzeit, die in ihm die
Neugierde weckten, der Vergangenheit einige
Geheimnisse zu entlocken. Heute sei es seine
Leidenschaft, den Vorbildern seines archäologischen
Wissensdurstes zu folgen und für die Nachwelt
wertvolle Erkenntnisse festzuhalten.
Kleinlellenfeld
gehöre zweifellos zu den interessanten Orten am
Limes – nicht nur deshalb, weil in der Gemarkung
gleich zwei der markantesten Limesforscher vor rund
100 Jahren ihren Spaten angesetzt haben.
Der Weißenburger Apotheker Kohl hat in den Jahren
1892/93 von der württembergischen Grenze her bis
nach Lellenfeld die „Teufelsmauer“ mit ihren Türmen
erkundet. Er ließ hier unter anderem die Reste des
Wachturms Nummer 41 freilegen. Zur Veranschaulichung
ließ Thoma vier Pflöcke an den Ecken des Grundrisses
des Turmes schlagen. Einen weiteren Turm hatte Kohl
am Dennenloher See vermutet, doch vergeblich
gesucht. Erst bei der Flurbereinigung von Lellenfeld
1973 war es den Feldgeschworenen gelungen, diesen
noch fehlenden Turm zu finden. Ihr Bohrgerät zum
Grenzsteinsetzen war im Feuerletten auf eine massive
Mauer gestoßen.
Der zweite der Forscher war der Medizinalrat
Heinrich Eidam aus Gunzenhausen, der seinerzeit als
Streckenkommissar für den anschließenden
Limesabschnitt von Kleinlellenfeld bis Gunzenhausen
fungierte. Er legte mehrere Stützpfeiler an der
Römermauer frei, wie man auf der Stele nachlesen
kann.
Ein besonderer Forschungserfolg gelang Eidam 1893 im
Wald bei
Kleinlellenfeld. Er konnte dort die
komplizierte Bauabfolge der römischen
Limeseinrichtungen nachweisen. In seinem erhalten
gebliebenen Grabungstagebuch zeichnete er exakt die
dort eng beieinanderliegende hölzerne
Palisade, den
Flechtwerkzaun, einen
Holzturm, einen
Steinturm und
die Limesmauer mit dem Grenzdurchgang klar
nachvollziehbar ein.
Allein diese tollen Ergebnisse Eidams seien es wert,
sie auf einer eigenen Stele am Schnittpunkt zwischen
dem Fränkischen Seenland und der
Region Hesselberg
der Öffentlichkeit zu präsentieren, sagte Thoma.
Klein- und Großlellenfeld dürften sich nach seinen
Worten als Altsiedelland bezeichnen, denn hier seien
bereits in der Zeit um 400 n. Chr. germanische
Siedlungsspuren archäologisch nachgewiesen.
Hermann Thoma ist davon überzeugt, dass der Limes
eine nicht zu unterschätzende, verbindende Funktion
einnimmt.
Kleinlellenfeld rücke mit dieser
attraktiven Stele und seiner interessanten
Geschichte jetzt vermehrt in das Licht der
Öffentlichkeit an der ehemaligen römischen
Imperiumsgrenze.
Quelle: ©
Altmühl-Bote, Gunzenhausen
vom: 29.09.04
Archäologische Seite - Römer
und Alamannen:
Der Flurname "Pfahl" verweist hier auf den Verlauf
des Limes. Beim Setzen eines Grenzsteines im Jahr
1973 stieß man auf den bis dahin nur vermuteten
WP 13/39.
Vier talseitige
Abstützpfeiler an der Teufelsmauer westlich von
Kleinlellenfeld - ausgegraben von dem Gunzenhausener
Streckenkommissar
Dr. Heinrich Eidam
- belegen, wie gut die Römer mit den geologischen
Schwierigkeiten auf den Lias- und Keuperböden
umzugehen verstanden.